Headset-Verbindung: Welchen Anschluss brauchen Gamer?

Verkabelt oder frei wie ein Vogel? Funk oder Strippe? Die Anschlusswahl beim Gamer-Headset gleicht einem Glaubenskrieg, jede Anschlussart hat ihre Vor- und Nachteile. Auf dem Markt tummeln sich Headsets mit klassischen Klinkensteckern, USB-Anschlüssen, Bluetooth und proprietären 2,4-GHz-Übertragungen. Doch was ist davon nun sinnvoll, was für den Gamer unbrauchbar? Was Gamer wirklich brauchen werden wir hier verraten.

Headsets mit Bluetooth 4.0 – Der neueste Standard

In Verbindung mit Headsets taucht immer wieder der Begriff Bluetooth auf. Dabei handelt es sich um eine Funktechnik für den Nahbereich – je nach Funkklasse sind zwischen 10 und 100 Meter theoretischer Reichweite realisierbar, praktisch sind es eher 7 bis 25 Meter. Bluetooth ist ein universeller Standard, der nicht nur Headsets sondern auch Computermäuse, Smartphones, Tastaturen, Gamepads und GPS-Empfänger mit dem PC verbinden kann. So nutzen beispielsweise die Controller der Playstation 3 Bluetooth zur Verbindung mit der Konsole.

Wer kauft Bluetooth-Headsets?

Bekannt geworden ist Bluetooth spätestens mit der Verbreitung von Smartphones – kaum ein Gerät kommt ohne Bluetooth aus. Das Telefon lässt sich so bequem mit dem PC und Peripheriegeräten verbinden. Und eben auch mit Headsets. Der aktuelle Bluetooth-Standard ist die Version 4.0. Bluetooth 4.0 verbessert gegenüber Version 3.0 allerdings primär den Energiebedarf, so dass BT-4.0-Geräte bei gleicher Akkuladung eine längere Laufzeit erreichen können als ältere Modelle.

Headsets mit Bluetooth 4.0 sind allerdings primär als Mobil-Headset am Telefon vorgesehen, nur vereinzelt finden sich Modelle, die für PC oder Konsolen vorgesehen sind. Das könnte auch an der noch sehr geringen Verbreitung von BT-4.0-Adaptern liegen, die Spielkonsole PS3 beispielsweise unterstützt nur den Vorgängerstandard. Headsets mit Bluetooth-Funktechnik sind allerdings oft flexibel einsetzbar – ein Smartphone-Headset funktioniert auch an einem mit Bluetooth ausgestatteten PC und unter Umständen sogar an der Playstation 3 – und anders herum.

Bluetooth im Headset Test

Da sich Bluetooth 4.0 bei Headsets bislang noch nicht durchsetzen konnte, nutzen die Hersteller ältere Bluetooth-Standards. Auf die Klangqualität entsprechender Headsets hat das allerdings keine Auswirkung – und die allgemein übliche Akkulaufzeit von sechs bis zehn Stunden sollte den meisten Nutzern ebenfalls ausreichen. Da es sich bei Bluetooth um eine mobile Funktechnik handelt, sind auch die meisten Bluetooth-Headsets eher für den mobilen Einsatz konzipiert.

So wie beispielsweise das Arctic Sound P311Arctic Sound P311 Stereo Bluetooth Headset weiß Bluetooth Headset. Das in verschiedenen Farben angebotene Nackenbügelheadset lässt sich zusammenfalten und so in der beiliegenden Transportbox umhertragen. Auf dem Kopf respektive hinter den Ohren trägt das P311 kaum auf und sitzt angenehm. Das P311 nutzt den weit verbreiteten Bluetooth-Standard 2.1 EDR und erbringt eine Reichweite von maximal zehn Metern. Batterien müssen nicht gewechselt werden, Arctic verbaut einen 400 mAh fassenden Li-Ionen-Akku, der für bis zu 20 Stunden Wiedergabe und 400 Stunden Standby reichen soll. Ist der Akku leer, wird das Headset bequem via USB geladen. Praktisch ist das geringe Gewicht von nur 71 Gramm, trotz Akku und gutem Klangbild. Das Arctic Sound P311 zeigt sich im Bluetooth Headset Test trotz seiner geringen Größe von seiner besten Seite und überzeugt als bequemer mobiler Begleiter für Notebook und Smartphone.

Bluetooth Headsets für die PS3

Da auch Sonys Konsole Playstation 3 ein Bluetooth-Funkmodul einsetzt und so unter anderem die Game-Controller anspricht, lassen sich auch kabellose Headsets via Bluetooth mit der PS3 verbinden. Allerdings ist ein Bluetooth Headset bei der PS3 nur selten auch für den satten Gaming-Sound verantwortlich, die meisten Modelle sind für den Ingame-Chat vorgesehen und bieten teilweise auch nur einen Ohrhörer nebst Mikrofon.

Playstation 3 - EX-03 Wireless Bluetooth HeadsetSo beispielsweise das EX-03 von Gioteck. Das schmale Mono-Headset wird hinter das rechte Ohr geklemmt und bietet ein flexibles und klangstarkes Mikrofon für den Chat im Spiel. Der Ohrhörer ist ausreichend stark dimensioniert um im Chat die Mitspieler klar und deutlich verstehen zu können – für Musik allerdings sollte das Headset schon aufgrund seiner Bauweise nicht genutzt werden. Die Verbindung mit der PS3 ist leicht herzustellen, eine LED zeigt die Bereitschaft an. Der integrierte Akku des PS3 Bluetooth Headsets sorgt für bis zu acht Stunden Spielspaß bis er nachgeladen werden muss – auch ohne Bluetooth 4.0, da die PS3 nur Bluetooth 2.1 beherrscht. Praktisch ist eine Mute-Taste, mit der sich das Mikrofon stummschalten lässt.

USB Headsets – Top Sound auch ohne Soundkarte

USB wird seinem Namen – Universal Serial Bus, universeller serieller Bus, immer mehr gerecht. So setzt heute fast jedes neue Peripheriegerät am PC, aber auch an Konsolen und sogar am Fernseher, auf USB zum Anschluss, und sei es nur um den integrierten Akku zu laden. Vor allem bei Headsets ist USB ein unverzichtbarer Anschluss für viele Hersteller geworden, lassen sich USB-Headsets doch mit fast jedem Rechner oft auch ohne Treiberinstallation verbinden. Eine Soundkarte spart sich der Nutzer eines USB Headsets ebenfalls, da direkt im Headset eine entsprechende Soundlösung bereits integriert ist. Oft bieten diese Soundchips sogar einen virtuellen Raumklang an, der aus einem schnöden Stereoheadset ein klanggewaltiges 7.1-System macht. Im Gegensatz zur älteren Anschlussart mittels 3,5-mm-Klinkensteckern benötigt USB zudem nur einen einzelnen Stecker, der zudem bei fast allen Rechnern an der Vorderseite des Gehäuses zu finden ist.

USB Headsets im Test

Für den PC gibt es zahlreiche USB-Headsets, die mit ihren integrierten Soundchips oft einen besseren Sound berechnen, als die Onboard-Soundchips vieler Mainboards. Dazu kommen Funktionen wie Dolby Headphone, mit denen sich 5.1- oder 7.1-Raumklang auf einem Stereoheadset simulieren lässt. USB-Headsets von Creative bieten zudem einen eigenen Raumklang-Effekt, der auf den Soundkarten des Audiospezialisten basiert und noch mehr Realismus in den Surroundsound steckt.

Beyerdynamic MMX 300 Premium Headset Modell 2013Im USB Headset Test schneidet vor allem das Bayerdynamic MMX 300 sehr gut ab. Das voluminöse Headset ist zwar eigentlich ein Modell für den Klinkenanschluss, es liegt aber ein Adapter auf USB bei, so dass es auch als vollwertiges USB-Headset arbeitet. Der Klang des MMX 300 ist sowohl bei Games als auch bei Musik und Filmen über jeden Zweifel erhaben – selbst feinste Details im Klang sind klar und deutlich hörbar während bei actionreichen Szenen der Bass die Ohren beben lässt. Das Headset ist „made in Germany“ was sich tatsächlich positiv bei der Verarbeitungsqualität niederschlägt. Neben einem überragenden Klang bietet das MMX 300 zudem einen sehr guten Tragekomfort und ist außerdem so robust, dass es selbst dann kaum zu einem Defekt kommen kann, wenn das Headset regelmäßig transportiert wird. Mit 299 Euro ist das USB Headset zwar eines der teuersten Modelle auf dem Markt, wer den Klangunterschied zu einem preiswerten Modell einmal gehört hat, beginnt aber sehr schnell mit dem Sparen.

USB Headsets für die PS3

Die Playstation 3 des japanischen Herstellers Sony unterstützt an ihren USB-Ports zahlreiche Zubehörgeräte die eigentlich für den PC vorgesehen sind. Unter anderem funktionieren auch zahlreiche Headsets. Allerdings hat Sony sich zu einer Einschränkung bei der Nutzung entschieden: Per USB kann nur der Sound des Sprach-Chats übertragen werden. Gaming-Sound läuft bei Sony über den Kopfhörerstecker (Klinkenstecker) oder direkt via TV. Ein USB Headset für die PS3 ist also tatsächlich ein Kommunikationsgerät und weniger ein vollwertiger Kopfhörer mit Mikrofon. Zudem funktionieren nicht alle Modelle vollständig, so dass vor dem Kauf auf die Kompatibilität zur PS3 geachtet werden sollte.

Praktischer sind hier kombinierte Lösungen, die per USB den Ingame-Chat der PS3 realisieren und per Klinke/Cinch oder auch optisch den Ingame-Sound auf das Headset übertragen. Ein Nachteil dieser Lösung ist das Kabelgewirr, das beim Anschluss entsteht, zumal viele Headsets zusätzlich noch ein Netzteil für die Stromversorgung erfordern. Einfacher ist es daher tatsächlich auf USB-Headsets an der PS3 zu verzichten,Speedlink Medusa NX Gaming Headset hier gibt es sinnvollere Lösungen ohne USB.

Soll es aber dennoch ein kabelgebundenes USB-Headset für die PS3 sein, bietet das Speedlink Medusa NX einen sehr guten Stereosound und ein hochwertiges Mikrofon für den Spielchat. Das vollabgedeckte Headset erzeugt einen satten Sound, sperrt allerdings die Umgebungsgeräusche sehr effektiv aus – schlecht, da der Gamingsound ja weiterhin über die TV-Lautsprecher läuft.

Wireless Headsets in der Übersicht

So praktisch USB-Headsets auch sein mögen, die oft sehr langen Anschlusskabel liegen immer im Weg herum, verheddern sich unter den Rollen des Schreibtischstuhls und entwickeln sich in kürzester Zeit zu gefährlichen Stolperfallen – wenn sie nicht gerade verknotet sind. Eine deutlich elegantere Lösung sind hingegen Wireless Headsets, kabellose Headsets mit kleinem Funkempfänger oder Bluetooth-Funk. Während sich die meisten Bluetooth-Headsets eher als mobiler Begleiter am Smartphone oder Tablet eignen und es nur wenige Gamingmodelle mit dieser Funktechnik gibt, ist die Auswahl an Headsets mit proprietärem Funkstecker, einem Stick also der nur mit genau diesem einen Headsetmodell funktioniert, deutlich größer. Vor allem für den PC gibt es hier inzwischen eine große Vielfalt qualitativ sehr hochwertiger Modelle.

Die besten wireless PC Headsets

War es vor einigen Jahren noch eher knifflig, ein hochwertiges Funkheadset für den PC zu bekommen, ist der Markt inzwischen gut bestückt. Das liegt auch an den Fortschritten bei der Funktechnik: Die 2,4-GHz-Übertragung ist weit verbreitet und ausgereift. Die Reichweite eines wireless Headsets am PC beträgt bis zu zehn Meter, die Akkus erreichen Laufzeiten von bis zu 12 Stunden und der Klang ist dank digitaler Übertragungen erstklassig und rauschfrei.

Einen guten Preis in Verbindung mit hochwertiger Verarbeitung, einem überzeugenden Raumklangeffekt und einer hohen Reichweite bietet der Audiospezialist Creative mit dem SoundBlaster Tactic3D Rage. Der Akku des vollabgedeckten Headsets reicht für bis zu acht Stunden klanggewaltigen Gamings aus – je nachdem wie hell die bunt leuchtenden LEDs am Ohrhörer eingestellt wurden kann sich die Laufzeit allerdings verringern. Ist der Akku entladen, wird er per USB nachgeladen – das beiliegende Kabel ist hochwertig ummantelt und erlaubt den Betrieb des Headsets kabelgebunden auch während des Ladevorgangs. Klanglich gibt es keinen Grund zur Klage: Creative bietet einen guten virtuellen Raumklang und kann bei Games mit sattem Sound auftrumpfen. Die eigene Stimme lässt sich zudem mit zahlreichen neckischen Effekten verfremden – wer seinen Freunden im MMO schon immer als böser Dämon gegenübertreten wollte klingt nun endlich auch wie der Fürst der Finsternis.
Wer sich noch etwas mehr dem klanglichen und kabellosen Luxus hingeben möchte, greift zum Logitech G930. Dieses wireless Headset sahnt im Test Traumnoten ab, beeindruckt mit einer umfangreichen Ausstattung bis hin zu frei konfigurierbaren Buttons am Ohrhörer und ist auch klanglich eine Offenbarung. Lasergestimmte Antriebsspulen in den Ohrhörern sorgen für verzerrungsfreien Audiogenuss, die Neodym-Treiber bieten zudem sowohl klare Höhen als auch ein sattes Bassfundament. Dank im USB-Adapter integrierter Audiolösung simuliert das G930 Asus HS-W1 Wireless Design Headset, 2,4 GHzeinen virtuellen Raumklang, der im Spiel zahlreiche taktische Vorteile bietet.

Weniger teuer aber dennoch hochwertig ist das stylische Asus HS-W1. Dieses Design-Headset sieht nicht nur gut aus, es bietet auch einen guten Klang und einen verlockenden Preis. Fürs mobile Gaming eignet sich das HS-W1 ebenfalls, da es nicht nur leicht sondern auch vergleichsweise kompakt gebaut ist – und das trotz des integrierten Akkus für bis zu acht Stunden Laufzeit.

Wireless Headsets für die PS3

Auch an der Spielekonsole lassen sich kabellose Headsets anschließen. Wireless Headsets für die PS3 werden im Normalfall mit einer Anschlussbox ausgeliefert, die den Konsolensound mittels eines optischen Kabels abgreift – der USB-Anschluss der PS3 liefert ja nur den Sound des Ingame-Chats. Eine Ausnahme ist das von Sony selbst produzierte Wireless Stereo Headset für die PS3 – hier umgeht der Hersteller die selbst auferlegten Begrenzungen und liefert das Headset mit einem USB-Funkstick aus.

Der Klang des Sony Wireless Stereo Headsets ist bombastisch und sorgt für viel Spaß im Spiel. Vor allem wenn abends oder in geräuschempfindlichen Mietswohnungen gezockt werden soll ist das Headset fast die einzige Möglichkeit, um einen bombastischen Spielesound zu erreichen. Dank der digitalen Funktechnik ist der Klang rauschfrei und es stört kein Kabel. Praktisch für Brillenträger ist die angenehme Passform des Sony-Headsets: Auch Brillenträger spüren das Headset selbst nach längerer Tragezeit absolut nicht auf dem Kopf. Und auch wenn Sony das Headset als Stereoheadset bewirbt: Es bietet dennoch einen überzeugenden virtuellen 7.1-Raumklang!

Logitech F540 Wireless Headset für Xbox 360, PlayStation 3Sowohl für die PS3 als auch für die Xbox360 eignet sich das Logitech Wireless Headset F540. Dieses Gaming-Headset ist speziell für Konsolen entwickelt worden und bietet dementsprechend viel Anschluss- und Bedienkomfort im Wohnzimmer. Gesteuert werden alle Funktionen des Headsets über die linke Ohrmuschel, dort finden sich Lautstärkeregler, Mute-Button und Powerschalter. Der Klang des Chats lässt sich unabhängig vom Gamesound regeln, zudem lässt sich die angeschlossene Quelle – PC, Xbox oder PS3 – auswählen. Geladen wird das F540 über USB, eine Akkuladung reicht für etwa zehn Stunden.

An die PS3 wird das wireless Headset mittels Decoderbox verbunden – dem F540 liegen ein Cinch-Kabel, ein Xbox360-Controller-Chatkabel, ein Mini-USB-Kabel und ein Mikro-USB-Kabel zum Laden des Akkus bei. Die analoge Tonübertragung ist dabei kaum störend, der Klang des F540 von Logitech liegt dennoch auf hohem Niveau.

Fazit

Angst vor hohen Latenzen bei der kabellosen Soundübertragung braucht heute kein Gamer mehr zu haben. Selbst Progamer können die minimalen Audioverzögerungen nicht wahrnehmen, so dass ein wireless Headset mittlerweile eine gute Alternative zur Stolperfalle Kabelheadset darstellt. Einen noch satteren Sound und dazu die Möglichkeit, Headsets mit mehreren Lautsprechern auszustatten, bieten allerdings hochwertige kabelgebundene Headsets. Diese werden immer öfter auch oder sogar ausschließlich mittels USB mit dem PC verbunden. Sonys Playstation 3 hingegen bietet am USB-Anschluss keinen vollwertigen Gamingsound, so dass Konsoleros besser auf Klinkenstecker oder Modelle mit Decoderbox und damit verbundenem optischen oder Cinch-Anschluss zurückgreifen.

PC-Gamer können problemlos USB-Headsets kaufen, der Klang ist gut, der Raumklang wird hochwertig simuliert und Treiberprobleme gibt es schon lange keine mehr. Nur wer eine sehr hochwertige Soundkarte mit guter Raumklangsimulation (beispielsweise Creatives X-Fi-Baureihe oder deren Nachfolgemodelle Recon3D und Z) verbaut hat, sollte besser zu einem Headset mit Klinkenstecker greifen, da nur so die Soundkarte zur Klangberechnung hinzugezogen werden kann. Topmodelle wie das Bayerdynamic MMX 300 müssen sich in Verbindung mit einer guten Soundkarte auch vor teuren HiFi-Kopfhörern nicht verstecken.